Fehmarnbeltquerung

Feste Fehmarnbeltquerung - Streitthema auf Fehmarn

Der Fehmarbelt ist in der Ostsee mit 18,6 km die kürzeste Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark. Seit 1963 wird auf diese Strecke zwischen Puttgarden auf deutscher Seite und Rodbyhavn auf der dänischen Seite durch die Vogelpfluglinie eine Fährschiffslinie betrieben. Alle 30 Minuten pendeln die von der Deutschen Bahn AG und dem dänischen Transportministerium betriebenen Eisenbahn- und Kraftfahrzeugfähren. Die Fahrzeit für eine Strecke beträgt ca. 45 Minuten. Eine Reise per Bahn von Hamburg nach Kopenhagen dauert derzeit 4:30 Stunden. Im Schnitt überqueren jährlich über 1 Millionen Pkw und ca. 300.000 Lkw sowie ca. 2,5 Millionen Bus- und Zugpassagiere den Fehmarbelt per Fährverbindung. Schätzungen des dänischen Transportministeriums und der Danish Road Association gehen davon aus, dass der Verkehr in den kommenden Jahren noch erheblich ansteigen wird.

Eine mittelfristige Lösung für dieses Verkehrsaufkommen wird seit einigen Jahren geplant. Im ersten Entwurf wurde der Bau einer Brücke über den Belt favorisiert. Die Brücke sollte eine Länge von 19 km und eine Höhe von 260 m haben. Eine Kalkulation ergab Kosten in höhe von 4,4 Mrd. Euro für den Bau der Brücke. Weitere 1,7 Mrd. Euro würde die Anbindung des Hinterlandes auf deutschen Grund inklusive eines Ausbaus der Bundesstrasse 207 kosten. Auf dänischer Seite würden Investitionen in ähnlichem Umfang anliegen. Eine Fertigstellung war für 2025 geplant. Die Kosten sollten auf Deutschland und Dänemark verteilt werden.

Der Bau einer solch großen Brücke warf allerdings einige komplexere Probleme auf. Die in Zukunft vermehrt auftretenden Stürme und Starkwinde würden die Brücke für Lkw und Pkw für mehrere Wochen im Jahr unbefahrbar machen. Brückenpylone in der für die Konstruktion benötigten Dimension können die Meeresströmung beeinträchtigen. Das Kollisionsrisiko mit den erwähnten Brückenpylonen wäre sehr hoch. Ein solcher Unfall hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Naturschutzgebiete auf Fehmarn. Der Bau der Fehmarnbeltquerung wurde im Laufe der Folgejahre heftig diskutiert. Es bildeten sich unzählige Fraktionen für als auch gegen dieses Großprojekt.

Am 30. November 2010 wurde das Brückenprojekt fallen gelassen. Das dänische Verkehrsministerium favorisiert nun den Bau eines Absenktunnels zwischen den beiden Standorten. Eine aktualisierte Kostenkalkulation ergab Investitionskosten von rund 5,5 Mrd. Euro. Dänemark würde einen Großteil dieser Summe finanzieren. Eine Amortisierung soll durch Mauteinnahmen realisiert werden. Die Bauzeit würde 6 Jahre betragen. Der Tunnel hätte einige gravierende Vorteile gegenüber der zuvor geplanten Brücke. Die Querung wäre völlig unabhängig von den Wind- und Witterungsverhältnissen. Es gibt keine Umwelteinflüsse durch Brückenträger oder ähnlichem. Der Tunnel beeinträchtigt nicht das Landschaftsbild.

Deutschland und Dänemark haben in Kopenhagen vertreten durch Wolfgang Tiefensee und Carina Christensen einen Staatsvertrag zum Bau eine festen Querung über den Fehmarnbelt unterzeichnet. Dieser Vertrag wurde von beiden Staaten bereits ratifiziert. Von den gesamt veranschlagten 5,6 Mrd. Euro, die das Projekt kosten wird, wird Dänemark einen Anteil von 4,8 Mrd. Euro tragen. Dänemark wird die Fehmarnbeltquerung errichten und in Zukunft betreiben. Für den Ausbau und die Anbindung des Hinterlandes sind die jeweiligen Staaten selber verantwortlich.

Stand September 2011 ist der erste Spatenstich für die 17 Kilometer lange Querung für das Jahr 2014 geplant. Die Bauzeit soll wie vorher geplant 6 Jahre betragen und 2020 abgeschlossen sein. Die Reisezeit über den Belt wird sich ab 2020 von 45 Minuten auf 10 Minuten verkürzen. Der Zug benötigt zukünftig sogar nur noch 7 Minuten für die 19 km. Die derzeitige Fährverbindung wird nach Abschluss der Bauarbeiten eingestellt.

In weit fernerer Zukunft wird auch der Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark nicht mehr notwendig sein. Dann wird es möglich sein Fehmarn auf dem Landweg ohne Brücke oder Tunnel zu erreichen. Messungen ergeben eine permanente Hebung des Ostseebodens. Im Bereich des Bottnischen Meerbusen werden bis zu 1 cm im Jahr registriert. Das bedeutet rein rechnerisch, dass man im Jahr 4012 eine direkte Verbindung der beiden derzeit getrennten Landmassen hätte.